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Wissenswertes zum Golfsport
Golf: Eine Geschichte mit 18 Löchern
Golf ist eine Leidenschaft, Lebensschule, aber auch eine lange Geschichte.
Ein Versuch, sich dem Phänomen über 18 historische Eckfahnen anzunähern.
1. Der erste Schlag
mit einem Knüppel, der im weitesten Sinne als Urahne eines
modernen Golfschlägers herhalten kann, traf wahrscheinlich schmerzhaft die
Weichteile eines verhassten Widersachers. Diesen Schluss lassen jedenfalls die
Ausführungen des deutschen Sporthistorikers Heiner Gillmeister zu. Er sieht die
Wurzeln aller Ballsportarten und damit auch des Golfs in den ritterlichen
Turnieren des Mittelalters. Doch während die Ritter edlen Geblüts noch eins zu
eins, hoch zu Ross mit Lanzen und Schwertern bewaffnet, blutigen Ernst machten,
maßen die einfachen Handwerker und Bauern ihre Kräfte auf andere Art. Ein mit
Stroh gefüllter Lederball übernahm die Rolle des angreifenden Ritters, der nach
dem schönen Burgfräulein trachtete. Ihn galt es vom heimischen Tor mit allen
Mitteln fernzuhalten. Vom Ablauf her zwar stark vereinfacht, standen diese
Ballspiele den Ritter-Turnieren in Sachen Brutalität aber in nichts nach. Beim
ursprünglichen «soule», wie das Spiel im alten Frankreich genannt wurde, konnte
der Ball mit Händen und Füssen durch die feindlichen Linien vorangetrieben
werden. Schon bald gab es aber auch eine Variante, bei der ein am Ende
gekrümmter Hirtenstab («crosse»), mit im Spiel war. Das «soule à la crosse» gilt
nicht nur als derbe Urform des heutigen Hockey, Cricket und Baseball, sondern
laut Heiner Gillmeister auch des Billard und Golf. Es war denn auch der Einsatz
eines Hilfstocks, der den Ball immer mehr schrumpfen ließ.
2. Das erste Verbot
des Golfsports ist eine umstrittene Angelegenheit. So sehen verschiedene
britische Historiker einen Erlass des schottischen Königs Jakob II. aus dem
Jahre 1457 als den entscheidenden Beweis dafür, dass die Wiege des modernen
Golfs in Schottland liege. Tatsächlich werden in diesem Parlamentsbeschluss
«futeball and golfe» verboten und den Bürgern statt dessen zur Erhöhung der
Wehrhaftigkeit das Üben mit Pfeil und Bogen ans Herz gelegt. 1491 wird der Bann
gar ein zweites Mal bekräftigt. Dieser Beweisführung hält Gillmeister ein
ähnliches Verbot des Magistraten von Brüssel entgegen, das bereits 1360 erlassen
wurde. Dort wird «Colven» unter Androhung einer Busse von zwanzig Schilling
untersagt. Für den deutschen Sporthistoriker steht aber fest, dass es sich bei
beiden wortverwandten Spielen, «Golfe» und «Colven» (vom mittelniederländischen
Hirtenstab «kolf»), noch um direkte Ableger des wegen seiner Brutalität
berüchtigten «soule à la crosse» handelte.
3. Das erste Bild,
das unverkennbar einen zum Putten ansetzenden Golfer zeigt, gibt wiederum den
Verfechtern der kontinentalen Ursprungsthese recht. Es handelt sich um eine
Abbildung aus dem privaten Andachtsbuch der Adelaide von Savoyen, das vermutlich
um 1450 entstanden ist. Diese so genannten «Stundenbücher» des Mittelalters
wurden häufig mit Bildern alltäglicher Szenen ausgeschmückt. Bilder von
schottischen Golfern gibt es erst Anfang des 18. Jahrhunderts.
4. Die erste Erwähnung
des eigentlichen Golfsports findet sich im 1545 erschienenen Schriftwerk
«Tyrocinium latinae linguae» von Pieter van Afferden. In diesem Buch werden
alltägliche Begebenheiten sowohl auf Lateinisch als auch 5 auf Niederländisch
erzählt. Der Holländer wollte damit der Lehre Erasmus’ von Rotterdam folgend den
Gebrauch von Latein in der Umgangssprache fördern. Dabei widmet er ein ganzes
Kapitel dem Golfspiel. Dort taucht erstmals im Umfeld von «kolven» auch das Loch
auf, das es zu treffen gilt. Dies ist um so brisanter, da Verfechter der
schottischen Ursprungstheorie genau die Erwähnung des Lochs bei schottischen
Golfbeschreibungen für ihre Beweisführung in Anspruch nehmen. Doch datiert die
erstmalige Beschreibung im lateinisch-englischen «Vocabula» von David
Wedderburns erst aus dem Jahre 1636.
5. Der erste Golfclub
ist nun aber endlich eine Ehre, die unbestritten den Schotten zugesprochen
wird. Bereits 1680 erwähnt Sir John Foulis of Ravelston eine «company», die an
der Küste von Leith regelmäßig dem Golfspiel frönte. 1744 trat «the Company of
Gentlemen Golfers of Leith» erstmals offiziell in Erscheinung. Sie bat den Rat
von Edinburgh in einem Brief, einen Silberpokal als Preis für ein alljährlich
ausgetragenes Turnier zu stiften.
6. Die ersten Regeln
waren eine direkte Folge des geplanten Wettkampfs von Leith. Bislang wurde
Golf mit von Grafschaft zu Grafschaft oder gar Familie zu Familie
unterschiedlichen Regeln gespielt. Für das Turnier galt es, eine einheitliche
Form festzulegen. Das erste Regelwerk der «Edinburgh Golfers» umfasste dreizehn
Punkte. Diese hat die ehrwürdige «St. Andrews Society of Golfers» 1754 als
Grundlage für ihr erstes Turnier kurzerhand übernommen. Gleichwohl war es das
ständig erweiterte Regelwerk von St. Andrews, das über die Grenzen der
Grafschaft hinaus die Entwicklung des Golfsports bis heute maßgeblich bestimmen sollte.
7. Die ersten Außenposten des Golfssports
außerhalb Schottlands waren, einmal abgesehen von einem ersten, entscheidenden Aufflackern
im einstigen Königreich Niederlanden, fast ausschließlich auf Commonwealth-Länder
beschränkt. Der erste nicht-schottische Golfclub war 1766 Blackheath in der Nähe von
London. Allerdings soll in England bereits seit Anfang des 17. Jahrhunderts Golf gespielt worden
sein. Der erste organisierte Abschlag außerhalb der britischen Hauptinsel erfolgte 1820 im indischen
Bangalore, gefolgt von Kalkutta (1829) und Royal Bombay (1842). Erst danach folgten die ersten Clubs
in Irland (1856), Frankreich (1856), Australien (1870), Kanada (1873), Südafrika (1885)…
8. Der erste US-Club
hatte seine offizielle Geburtsstunde mit größter Wahrscheinlichkeit am 22.
Februar 1888, dem Geburtstag von George Washington. An diesem Feiertag
entschlossen sich die Heimweh-Schotten Robert Lockhart und John Reid, ihrer
golflosen Misere ein Ende zu setzen. Sie begannen in Yonkers am Hudson River,
unweit von New York, zusammen mit ein paar Freunden mit dem Bau eines eigenen
Golfplatzes. Kaum waren die ersten drei, ausgesprochen kurzen, Bahnen vollendet,
wurde auch schon das erste Match ausgetragen. Der «St. Andrews Golf Club» war
geboren. Von da an ging es mit dem Golf, wie mit allem im damaligen Amerika,
steil nach oben. Zur Jahrhundertwende gab es bereits übers ganze Land verteilt
über 1000 Clubs.
9. Das erste Golf-Magazin
mit dem sinnigen Namen «Golf» kam 1897 denn auch im boomenden Amerika auf den
Markt. Heute buhlen weltweit unzählige Publikationen um die Gunst der ständig
wachsenden Golfgemeinde. Das Spiel ist ein unerschöpflicher Quell von Themen
rund um Spieler, Ausrüstung, Technik, Bälle. Wer je als Nichtgolfer einen Abend
im Kreise von Golfern verbracht hat, weiß ein Lied davon zu singen.
10. Die ersten Professionals
fristeten Mitte des 19. Jahrhunderts in Schottland ein eher bescheidenes
Leben. Zwar wurden sie von den noblen Club-Mitgliedern bewundert und um ihr
Können beneidet, trotzdem war ihnen als Angehörigen der arbeitenden Klasse der
Zugang zum Clubhaus über das Hauptportal verwehrt. Sie mussten die separaten
Bediensteten-Eingänge benutzen. Die Verdienstmöglichkeiten beschränkten sich
neben dem Golfunterricht, Caddie-Diensten und kleinen dotierten Preiswettkämpfen
auf das Herstellen von Schlägern, Bällen und auf den Platzunterhalt.
11. Der erste Star des Golfsports
hieß Tom Morris. Er wurde 1821 als Sohn eines Briefträgers geboren. Seit er
mit sechs Jahren seinen ersten Schläger bekam, ließ ihn der Golfsport nicht
mehr los. Seinen Lebensunterhalt bestritt er zuerst als Ballhersteller und
später als Greenkeeper und Chefpro. Zur Golflegende wurde er, indem er den
Vorläufer des heutigen British Open, die Open Championship von Prestwick, nach
einem zweiten Platz bei der ersten Austragung 1860 zweimal nacheinander 1861 und
1862 sowie 1864 und 1867 gewann. Der breitschultrige Morris war bekannt für
seinen kraftvollen, weiten Schlag und seinen wilden Vollbart. Übertroffen wurde
sein Ruhm lediglich noch von seinem Sohn Tom Morris Junior, der das Open ab 1868
viermal nacheinander für sich entschied und die Konkurrenz mit elf und zwölf
Schlägen deklassierte.
12. Der erste Gummiball
revolutionierte 1898 den Golfsport. Der amerikanische Tüftler Coburn Haskell
kam beim Besuch eines Freundes bei der Goodrich Rubber Company in Ohio auf die
glorreiche Idee, einen harten Kern mit dünnen Gummibändern zu umwickeln. Moderne
Golfbälle basieren grundsätzlich immer noch auf dem gleichen Konzept. Lediglich
die Oberflächenbeschaffenheit wurde immer wieder nach den jeweils neusten
Erkenntnissen der Aerodynamik verfeinert. Schlagendstes Argument der von
Traditionalisten arg bekämpften Innovation: Der Ball flog rund zwanzig Meter
weiter als der bis anhin verwendete «Gutty». Dieser wurde aus dem Kautschuk des
in Malaysia beheimateten Guttapercha- Baumes hergestellt. Er hatte fünfzig Jahre
vorher mit demselben Argument den «feathery» abgelöst. Dieser prägte zuvor
mindestens zweihundert Jahre das Golfspiel. Es handelte sich dabei um ein
zusammengenähtes Stück Ross oder Kuhleder, das mit Wolle, Daunen oder
Gänsefedern ausgestopft wurde. Die Produktionskapazität beschränkte sich bei
einem guten Ballmacher auf lediglich drei Stück pro Tag. Entsprechend teuer
waren die «featheries». Dagegen vervielfachte sich der Ausstoß der «gutties»
bereits auf mehrere Dutzend pro Tag. Bereits ein typisches Kind der Massenproduktion war der
Haskell-Ball. Bei der Entwicklung des Golfequipments war es im übrigen immer der Ball, der
die Eigenschaften des Schlägers beeinflusste, und nicht umgekehrt.
13. Der erste Frauen-Club
wurde - wo sonst - 1867 in St. Andrews, Schottland, gegründet. Dank ihrer
Beharrlichkeit hatten es die Damen der Gesellschaft bereits 1850 geschafft,
regelmäßig auf den Platz zugelassen zu werden. Nach St. Andrews breitete sich
das Frauen-Golf schnell im ganzen britischen Reich aus. Bereits 1893 wurde auf
einem kleinen Platz in Lancashire die erste «Women’s Golf Championship»
ausgetragen. Die Frauen können zudem auf eine prominente Vorreiterin in der
Frühgeschichte des Golfs verweisen. Maria Stuart, Königin von Schottland, soll
1567 kurz nach dem Ableben ihres Mannes bei einer vergnüglichen Partie Golf
gesichtet worden sein, was bei Hofe einiges Missfallen auslöst haben soll.
14. Der erste Schweizer Platz
entstand 1891 in St. Moritz. Die geschäftstüchtigen Hoteliers hatten erkannt,
dass 15 sich mit Golf zahlungskräftige Engländer ins Alpenland locken ließen.
Nach und nach folgten an anderen Touristenorten weitere Golfanlagen: 1898
Samedan, 1900 Montreux, 1903 Luzern. Prominenter Initiant des Golfplatzes von
Davos war Sir Arthur Conan Doyle, Autor der Sherlock-Holmes- Kriminalromane.
15. Der erste Wettstreit der Kontinente
wurde 1927 in den USA ausgetragen. Ein Jahr zuvor hatten sich die
amerikanischen und die britischen Pros kurz nach dem British Open zu einem
informellen Wettkampf getroffen, den die Gastgeber gewannen. Bei dem darauf
folgenden Empfang ließ sich der Getreidehändler Samuel Ryder beim Champagner
dazu überreden, einen Pokal zu stiften, der jeweils alle zwei Jahre dem besseren
Team übergeben werden sollte. Den ersten offiziellen Ryder Cup von 1927 gewann
das US-Team. Nachdem die Amerikaner immer mehr dominierten, wurde 1979 das
britische Team auf ein Europa-Team erweitert. Der Ryder-Pokal gilt als die
begehrteste Auszeichnung im Golfsport. Anders als bei den vier Major-Turnieren,
dem US Masters, dem US Open, dem British Open und den US PGA Championships, geht
es bei diesem Messen der jeweils zwölf besten Golfspieler der alten und der
Neuen Welt für einmal nicht um viel Geld, sondern vor allem um Ehre und Prestige.
16. Der erste Schlag auf dem Mond
wird wohl für lange Zeit auch der letzte bleiben. Der amerikanische Astronaut
Alan Shepard hat ihn 1971 vor Millionen von TV-Zuschauern ausgeführt. Das macht
ihn zum meistbeachteten Schlag der Golfgeschichte.
17. Der erste schwarze Pro,
der nach der Aufhebung des «whites only»-Dekrets 1961 18 an einem Turnier der
Professional Golfer Association (PGA) mitspielte, war Charlie Sifford. Lee Elder
war 1975 der erste Schwarze an einem Masters. Trotzdem führte noch 1990 ein von
der PGA veranlasstes Maßnahmenpaket gegen Rassendiskriminierungen im Golf zu
einer Reihe von Protestaustritten renommierter Clubs. Spätestens seit dem April
1997 haben diese Ansammlungen reaktionärer Golfgeister aber einen schweren
Stand. Der 21-jährige Sohn eines schwarzen Vietnam- Veteranen und einer
Thailänderin, Tiger Woods, gewann als jüngster und erster farbiger Spieler das
US-Masters und erst noch mit einem Rekordscore und einem Rekordvorsprung.
18. Der erste Superstar Tiger Woods
führt den Golfsport nicht nur wegen seiner Hautfarbe, seinem
außergewöhnlichen Können und seiner schillernden Vorbildfunktion in neue
Dimensionen. In seiner fünfjährigen Profikarriere hat Tiger Woods bereits 50
Millionen Franken Preisgeld eingespielt. Dazu kommt wohl ein Vielfaches an
Werbegeldern. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Newsweek bezeichnet Tiger
Woods als eigentlichen Dominator. Dazu die Definition: «Sie wollen wissen, wie
es ist, jemandem wie Tiger Woods zu begegnen? Machen Sie eine Faust und schlagen
Sie sich damit ins Gesicht. Denn Dominatoren schlagen Sie nicht einfach, sondern
bringen Sie so weit, dass Sie es selber tun.» |
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